Beantwortung der Frage: Was ist Kreatives Denken? |
| "Kreativität ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines kreativen Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Creare aude! Habe Mut dich deines eigenen kreativen, schöpferischen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Kreativen Denker." (ph), adaptiert nach (ik) [1] |
Diese Seite ist ein denkplatz von und für kreativedenker. unter der rubrik "gedachtes" werden chronologisch bzw. nach themen geordnet inhalte abgelegt; möglichkeiten zum nachdenken, denkzettel und denkpausen gleichermaßen. |
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#71: "Kurt Schwitters: Brief an Raoul Hausmann (Auszug)" [posted: 24. juni 7, 20:56] |
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Wir eröffneten in den Haag. Doesburg las ein sehr gutes dadaistisches Programm, in dem er sagte, der
Dadaist würde etwas Unerwartetes tun. In dem Augenblick stand ich inmitten des Publikums auf
und bellte laut. Einige Leute fielen in Ohnmacht und wurden hinausgetragen, und die
Zeitungen berichteten, Dada bedeute Bellen. Wir bekamen sofort Engagements für Haarlem
und Amsterdam. Es war ausverkauft in Haarlem, und ich ging durch den Saal, so daß
mich alle sehen konnten, und alle erwarteten, daß ich bellen würde. Doesburg sagte
wieder, ich würde etwas Unerwartetes tun. Diesmal schnaubte ich meine Nase.
Die Zeitungen schrieben, daß ich nicht bellte, dass ich nur meine Nase schnaubte.
In Amsterdam war es so überfüllt, daß die Leute phantastische Preise zahlten, um noch einen Platz zu bekommen, ich bellte nicht, noch schnaubte ich meine Nase, ich rezitierte die Revolution.
Eine Dame konnte nicht anhalten zu lachen und mußte hinausgebracht werden. (ks) [0] |
#70: "Rainer Brambach: Niemand wird kommen" [posted: 28. Februar 7, 00:00] |
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Niemand kam über das Feld. Nur Regengewölk, Wind. Niemand wird kommen, der sagt: Lehmgestalt, steig aus dem Graben, ich habe deine Gedanken gehört. Gehe! Die schöne Welt erwartet dich. Niemand ruft: He, noch nicht unterwegs? Dein Freibrief ist gültig, leicht lesbar die Schrift der Redlichkeit. Ich sah als Kind auf dem Jahrmarkt den Tanzbären sich drehen, hielt mich später am Tage versteckt, kenne einige Gefängnisse inwendig und auswendig die Sprache der Henker. Niemand. Regengewölk. Wind. (rb) [0] |
#69: "Bertolt Brecht: 700 Intellektuelle beten einen Öltank an (1929)" [posted: 21. Januar 7, 10:47] |
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Ohne Einladung Sind wir gekommen, Siebenhundert (und viele sind noch unterwegs), Überall her, Wo kein Wind mehr weht, Von den Mühlen, die langsam mahlen, und Von den Öfen, hinter denen es heißt, daß kein Hund mehr vorkommt. Und haben Dich gesehen Plötzlich über Nacht, Öltank. Gestern warst Du noch nicht da, Aber heute Bist nur Du mehr. Eilet herbei, alle Die ihr absägt den Ast, auf dem ihr sitzet. Werktätige! Gott ist wiedergekommen In Gestalt eines Öltanks. Du Häßlicher, Du bist der Schönste! Tue uns Gewalt an, Du Sachlicher! Lösche aus unser Ich! Mache uns kollektiv! Denn nicht wie wir wollen, Sondern wie Du willst. Du bist nicht gemacht aus Elfenbein und Ebenholz, sondern aus Eisen. Herrlich, herrlich, herrlich! Du Unscheinbarer! Du bist kein Unsichtbarer. Nicht unendlich bist Du! Sondern sieben Meter hoch. In Dir ist kein Geheimnis, Sondern Öl. Und Du verfährst mit uns Nicht nach Gutdünken, noch unerforschlich, Sondern nach Berechnung. Was ist für Dich ein Gras? Du sitzest darauf. Wo ehedem ein Gras war, Da sitzest jetzt Du, Öltank! Und vor Dir ist ein Gefühl Nichts. Darum erhöre uns, Und erlöse uns von dem Übel des Geistes Im Namen der Elektrifizierung, Der Ratio und der Statistik! (bb) [0] |
#68: "Bertolt Brecht: Wenn die Haifische Menschen wären (1949)" [posted: 21. Januar 7, 10:47] |
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"Wenn die Haifische Menschen wären, fragte Herrn K. die kleine
Tochter seiner Wirtin, "wären sie dann netter zu den kleinen Fischen?" "Sicher", sagte er. "Wenn die Haifische Menschen wären, würden sie im Meer für die kleinen Fische gewaltige Kästen bauen lassen, mit allerhand Nahrung drin, sowohl Pflanzen als auch Tierzeug. Sie würden dafür sorgen, dass die Kästen immer frisches Wasser hätten, und sie würden überhaupt allerhand sanitärische Maßnahmen treffen, wenn z.B. ein Fischlein sich die Flosse verletzten würde, dann würde ihm sogleich ein Verband gemacht, damit es den Haifischen nicht wegstürbe vor der Zeit. Damit die Fischlein nicht trübsinnig würde, gäbe es ab und zu große Wasserfeste; denn lustige Fischlein schmecken besser als trübsinnige. Es gäbe natürlich auch Schulen in den großen Kästen. In diesen Schulen würden die Fischlein lernen, wie man in den Rachen der Haifische schwimmt. Sie würden z.B. Geographie brauchen, damit sie die großen Haifische, die faul irgendwo rumliegen, finden könnten. Die Hauptsache wäre natürlich die moralische Ausbildung der Fischlein. Sie würden unterrichtet werden, dass es das Größte und Schönste sei, wenn ein Fischlein sich freiwillig aufopfert, und sie alle an die Haifische glauben müßten, vor allem, wenn sie sagten, sie würden für eine schöne Zukunft sorgen. Man würde den Fischlein beibringen, dass diese Zukunft nur gesichert sei, wenn sie Gehorsam lernten. Vor allen niedrigen, materialistischen, egoistischen und marxistischen Neigungen müßten sich die Fischlein hüten, und es sofort melden, wenn eines von ihnen solche Neigungen verriete. Wenn die Haifische Menschen wären, würden sie natürlich auch untereinander Kriege führen, um fremde Fischkästen und fremde Fischlein zu erobern. Die Kriege würden sie von ihren eigenen Fischlein führen lassen. Sie würden die Fischlein lehren, dass zwischen ihnen und den Fischlein der anderen Haifische ein riesiger Unterschied bestehe. Die Fischlein, würden sie verkünden, sich bekanntlich stumm, aber sie schweigen in ganz verschiedenen Sprachen und könnten einander daher unmöglich verstehen.Jedem Fischlein, das im Krieg ein paar andere Fischlein, feindliche, in anderer Sprache schweigende Fischlein, tötete, würde sie Orden aus Seetang anheften und den Titel Held verleihen. Wenn die Haifische Menschen wären, gäbe es bei ihnen natürlich auch eine Kunst. Es gäbe schöne Bilder, auf denen die Zähne der Haifische in prächtigen Farben, ihre Rachen als reine Lustgärten, in denen es sich prächtig tummeln läßt, dargestellt wären. Die Theater auf dem Meeresgrund würden zeigen, wie heldenmütige Fischlein begeistert in die Haifischrachen schwimmen, und die Musik wäre so schön, dass die Fischlein unter ihren Klängen, die Kapelle voran, träumerisch, und in der allerangenehmste Gedanken eingelullt, in die Haifischrachen strömten. Auch eine Religion gäbe es ja, wenn die Haifische Menschen wären. Sie würde lehren, dass die Fischlein erst im Bauche der Haifische richtig zu leben begännen. Übrigens würde es auch aufhören, dass alle Fischlein, wie es jetzt ist, gleich sind. Einige von ihnen würden Ämter bekommen und über die anderen gesetzt werden. Die ein wenig größeren dürften sogar die kleineren fressen. Dies wäre für die Haifische nur angenehm, da sie dann selber öfter größere Brocken zu fressen bekämen. Und die größeren, Posten innehabenden Fischlein würden für die Ordnung unter denn Fischlein sorgen, Lehrer, Offiziere, Ingenieure im Kastenbau werden. Kurz, es gäbe erst eine Kultur im Meer, wenn die Haifische Menschen wären." (bb) [0] |
#67: "Ernst Jandl: Untergrundbahn oben" [posted: 25. Dezember 6, 23:30] |
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Ich sitze still auf einer Polsterbank und schaue drei Minuten zwischen Grau und Grau und Zeitungen, die sich entfalten und Stehfahrgästen, die lange Stangen in den Händen halten ins Grüne und ins Blaue. Ich sitze still auf einer Polsterbank. Die Welt bewegt mich. (eja) [14] |
#66: "kairan: [greenlyrics]" [posted: 24. november 4, 23:59] |
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http://greenlyrics.rabbimaan.org/index.php
(Link defekt? Bitte dem Webmaster eine E-Mail senden.) (ka) [0] |
#65: "Sigur Rós: Hoppípolla" [posted: 19. Oktober 6, 15:12] |
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(sr) [0] |
#64: "Jakob van Hoddis: Weltende" [posted: 2. September 6, 23:01] |
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Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut, In allen Lüften hallt es wie Geschrei, Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei Und an den Küsten - liest man - steigt die Flut. Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken. Die meisten Menschen haben einen Schnupfen. Die Eisenbahnen fallen von den Brücken. (jvh) [0] |
#63: "Bertolt Brecht: Saune und Beischlaf" [posted: 10. August 6, 0:21] |
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Am besten fickt man erst und badet dann. Du wartest, bis sie sich zum Eimer bückt Besiehst den nackten Hintern, leicht entzückt Und langst sie, durch die Schenkel, spielend an. Du hälst sie in der Stellung, jedoch später Sei’s ihr erlaubt, sich auf den Schwanz zu setzen Wünscht sie, die Fotze aufwärts sich zu netzen. Dann freilich, nach der Sitte unsrer Väter Dient sie beim Bad. Sie macht die Ziegel zischen Im schnellen Guß (das Wasser hat zu kochen) Und peitscht dicht rot mit zarten Birkenreisern Und so, allmählich, in dem immer heißern Balsamischen Dampf läßt du dich ganz erfrischen Und schwitzt dir das Geficke aus den Knochen. (bb) [0] |
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Kommentare: dan-philipp // phil@denkplatz.eu: Auch ich gedenke Brechts manchmal voller Freude. Er kann so wunderbar literarisch sein. [10.8.6, 0:23] |
#62: "Albert Einstein: Schämen..." [posted: 4. Juli 6, 23:44] |
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"Schämen sollten sich die Menschen,
die sich gedankenlos der Wunder
der Wissenschaft und Technik bedienen
und nicht mehr davon geistig erfasst haben
als die Kuh von der Botanik der Pflanzen,
die sie mit Wohlbehagen frisst." (Albert Einstein) (ae) [0] |
#61: "Agatha Katzensprung: (menschsein)." [posted: 25. Juni 6, 13:30] |
(ak) [13] |
#60: "Stefan George: Komm in den totgesagten park und schau... " [posted: 15. Juni 6, 20:24] |
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Komm in den totgesagten park und schau: Der schimmer ferner lächelnder gestade - Der reinen wolken unverhofftes blau Erhellt die weiher und die bunten pfade. Dort nimm das tiefe gelb - das weiche grau Von birken und von buchs - der wind ist lau - Die späten rosen welkten noch nicht ganz - Erlese küsse sie und flicht den kranz - Vergiss auch diese letzten astern nicht - Den purpur um die ranken wilder reben - Und auch was übrig blieb von grünem leben Verwinde leicht im herbstlichen gesicht. (sg) [0] |
Is this del.icio.us? |